MOZ Artikel
16.08.2011 - 18:52 von mypim
Mit Interesse habe ich den Beitrag zum Einsatz von Schiedsrichtern in der Saison 2010/2011 und das Regelwerk, insbesondere die vorgesehenen Sanktionen, gelesen. In einzelnen Bereichen denke ich aber, dass bestimmte Wertungen, Pflichten oder Sanktionen nicht unbedingt förderlich für die weitere Entwicklung des Fußballs im Barnim sind. Vor ca. 12 Jahren entschloss ich mich aktiv am Sportgeschehen im Barnim teilzunehmen. Nicht als Schiedsrichter, sondern als Trainer. Erst einer Jugend- und nun seit drei Jahren einer Männermannschaft stehe ich für den SV Rüdnitz/Lobetal an der Seitenlinie. In all diesen Jahren hatten die Männer in Schwarz meine Hochachtung, da sie für wenig Geld viel Zeit opferten und nicht selten auch noch auf unterstem Niveau von Spielern und Zuschauern beleidigt oder bedroht wurden. Die Mehrzahl der Schiedsrichter hat aus meiner Sicht auch jederzeit ihre Leistung gebracht. Die Anzahl ihrer Fehler war grundsätzlich erheblich geringer als die der Spieler der Mannschaften auf dem Platz. Es gab aber auch Schiedsrichter, welche aufgrund ihres Auftretens und Verhaltens für schlechte Stimmung auf und neben dem Platz sorgten. Einige von ihnen pfeifen immer noch und zumindest bei einem von ihnen hatte das Deo Ähnlichkeit mit dem Geruch von Alkohol. Was ich mir persönlich von fast allen Schiedsrichter aber wünschen würde, wäre eine höhere Entscheidungsfreudigkeit bei groben Fouls. Selbst bei Schiedsrichtern, welche auf der Höhe des Geschehens sind, kommt nach dem Spiel oft die Antwort „das habe ich nicht genau gesehen“ oder „ich kann doch nicht zu Beginn des Spiels einen Spieler vom Platz stellen“. In jedem Spiel testen die Spieler in den Anfangsminuten den Schiedsrichter. Reagiert er nicht, dann folgen weitere Fouls und das Spiel wird härter. Mehrfach gefoulte Spieler fühlen sich vom Schiedsrichter allein gelassen und fangen dann an zu meckern. Jetzt jedoch wird mit Entschlossenheit die gelbe Karte gezeigt. Eine nicht zu verstehende Handlungsweise. Kritisch sehe ich die Festlegung, dass ein Schiedsrichter nur als einsatzfähig gilt, wenn er zwei Spiele im Monat, also in der Saison 24 Spiele, pfeift. Hiermit werden Schiedsrichter, welche außerdem noch als Spieler aktiv sind, genötigt sich für eine Sache zu entscheiden. Um ihnen beides zu ermöglichen sollte doch überlegt werden, ob 18 Spiele unter Berücksichtigung der Spielpausen ausreichen könnten. Ich könnte mir sonst vorstellen, dass so manch einer sich eher für das Spielen als fürs Pfeifen entscheidet. Zum Thema Verantwortung der Vereine zu Einsatz und Neuausbildung von Schiedsrichtern möchte ich in erster Linie feststellen, dass die jungen Menschen, welche in einen Verein eintreten, nicht kommen um Schiedsrichter zu werden. Sie wollen Fußball spielen. Trotzdem hat auch der Verein eine Pflicht Schiedsrichter zu finden und auszubilden. Aber nur er oder auch die, die Sanktionen verhängen? Bessere Bedingungen für die Schiedsrichter sind eine Grundlage dafür, dass eine höhere Bereitschaft vorliegt Schiedsrichter zu werden. Das beginnt damit, dass sie auf dem Platz geachtet und geschützt werden und sich ihr Einsatz für sie persönlich auch ein wenig lohnt. Statt sinnloser Sanktionen würde ich für gute Schiedsrichter lieber 40,- € für ihren Einsatz zahlen und mich bei ihnen mit Kaffee, Wasser und Obst bedanken. Die Folge der geplanten Verfahrensweise kann nur sein, dass Vereine die Mannschaften, für welche sie keine Schiedsrichter mehr stellen können, abmelden. Und wie schön gängig bei Spielern im Kreis, werden dann Schiedsrichter aus kleineren von größeren und finanziell besser stehenden Vereinen abgeworben und für ihren Einsatz bezahlt. Beispiele soll es schon geben. Für die kleineren Vereine bleibt an Ende nur, nachdem sie weniger Mannschaften melden und somit weniger Mitglieder haben, der finanzielle Ruin. Nach der Rückstufung einzelner Mannschaften könnte es dann in zwei bis drei Jahren besonders in der dritten Kreisklasse interessant werden. Im Gegensatz zur Barnimliga und der ersten Kreisklasse wären dann endlich in dieser Klasse ausreichend Mannschaften vorhanden.
Abschließend noch einmal meinen Dank an alle Schiedsrichter, die immer versucht haben das Beste zu geben. Danke auch hier dem Sportsfreund Nasert, welcher für Fragen und Bitten immer ein offenes Ohr hatte.
Karsten Lemke
|